2009/1/10
Europa verändern!
Es ist bereits eine Tradition: An der alljährlichen Ehrung für Rosa
Luxemburg und Karl Liebknecht im Januar in Berlin nehmen auch die
SpitzenvertreterInnen der Mitglieds- und Beobachterparteien der Partei der
Europäischen Linken (EL) teil. So auch am Wochenende. Denn vor dem
Gedenken beraten Vorstand und Rat der Parteivorsitzenden über
Herausforderungen und Aufgaben in diesem Jahr. Neben der Klimapolitik nach
dem an der Ignoranz der Regierungen gescheiterten Kopenhagen-Gipfel, der
Friedenspolitik – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der gescheiterten und
dennoch forcierten Kriegsstrategie in Afghanistan –, der Entwicklung in
Lateinamerika und der Zusammenarbeit mit den dortigen progressiven Kräften
werden die neuen sich durch den Lissabon-Vertrag ergebenden Aufgaben,
Aspekte der Wirtschafts-, Finanz- und Gesellschaftskrise, dringende
Schritte zu einem sozialen Europa und die Vorbereitung des Europäischen
Sozialforums im Mittelpunkt stehen.
Fast sechs Jahre nach ihrer Gründung in Rom hat sich die EL als
eigenständiger Akteur auf der politischen Bühne etabliert. Dies ist ein
Erfolg, schließlich war der Ansatz in Rom, Europas Linke – von
kommunistischen über sozialistische bis zu rot-grünen Parteien –
demokratisch und gleichberechtigt zusammenzuführen und die Gemeinsamkeiten
zu betonen, völlig neu. Es war aber zugleich ein Zeichen: Die tiefe Krise,
die die Linke nach dem Ende des Realsozialismus erfasste, verlangte nach
neuen Antworten der Zusammenarbeit. Heute ist die EL gefragt, wenn es um
einen Politikwechsel in Europa geht. Mit ihren mehr als 400 000
Mitgliedern in 34 Mitglieds- und Beobachterparteien aus 23 Ländern hat sie
ein großes Potenzial an Ideen, an politischen Erfahrungen und an
Durchsetzungskraft.
Die Wahlen zum Europäischen Parlament im vergangenen Juni haben auch der
Entwicklung der EL neue Impulse gegeben. Erstmals war sie mit einer
gemeinsamen Wahlplattform angetreten. Soziale Gerechtigkeit, Demokratie
und Frieden waren die Schwerpunkte. Diesen Zielen fühlen sich auch die
Parlamentarier der linken GUE/NGL-Fraktion im Europäischen Parlament
verpflichtet, der auch acht Abgeordnete der LINKEN angehören. Obwohl nicht
alle EL-Parteien in diesem Parlament vertreten sind, haben sie und Europas
Linke insgesamt damit eine Stimme in einem der wichtigsten EU-Gremien und
können somit europäische Politik begleiten und beeinflussen.
2010 heißt das: Beharrliche Arbeit – auch in kleinen Schritten – ist
Voraussetzung für besseres und effizienteres Eingreifen der Linken in
gesellschaftliche Entwicklungsprozesse, um zum Politikwechsel auf
nationaler Ebene und in Europa beizutragen. Weniger Selbstbefassung und
mehr Konzentration auf die gewaltigen aktuellen Aufgaben europäischer
Politik und EU-Entwicklung sind ebenso notwendig wie die Vernetzung linker
und progressiver Parteien, Organisationen und Bewegungen. Dabei ist
Europas Linke in der jüngsten Zeit – ob mit den Netzwerken von
Gewerkschaftern und Frauen, ob mit Kontakten zu sozialen Bewegungen oder
den Sommeruniversitäten der EL – ein gutes Stück vorangekommen. Die
Europäische Linke lebt durch ihre Mitgliedsparteien und gerade das heißt
auch: Sie bleibt ein Projekt für eine moderne linke europäische politische
Partei mit unterschiedlichen Kulturen; in Kenntnisnahme der durchaus
komplizierten nationalen Rahmenbedingungen und innerparteilichen
Entwicklungen in Mitglieds- wie Beobachterparteien und begleitet von
gegenseitiger Solidarität und Nichteinmischung. Ohne Pluralität kann die
Linke die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nicht meistern. Dies wird
sich nicht zuletzt auf dem dritten Kongress der Partei der Europäischen
Linken zeigen, der am Wochenende für Dezember dieses Jahres einberufen
werden soll.