2009/1/11

Trotz alledem zu Rosa

Von Claudia Wangerin

 

 

Bei Wind und Schnee beteiligten sich am Sonntag in Berlin mehrere zehntausend Menschen am »stillen Gedenken« für die vor 91 Jahren ermordeten Revolutionäre Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. An der Gedenkstätte der Sozialisten legten sie ab neun Uhr morgens rote Nelken und Kränze für die beiden Mitbegründer der Kommunistischen Partei Deutschlands nieder. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht waren am 15. Januar 1919 mit Billigung der SPD von rechten Freikorpssoldaten erschossen worden.

Zum »stillen Gedenken« hatte die Partei Die Linke aufgerufen, auch Parteichef Lothar Bisky, Fraktionschef Gregor Gysi, Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch sowie Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau und mehrere Abgeordnete nahmen daran teil. Luxemburg und Liebknecht hätten sich in ihrem Wirken für eine friedliche und gerechte Welt nicht von Karriere- und Kommerzgedanken leiten lassen – anders als viele Menschen heute, so Gysi.

Bei der traditionellen Liebknecht-Luxemburg-Demonstration, die das Gedenken mit aktuellen sozialen und friedenspolitischen Forderungen verknüpft, zählte das Veranstalterbündnis in diesem Jahr knapp 9000 Teilnehmer, die Polizei sprach von 3000. Nach jW-Beobachtung war die Demonstra­tion auf dem Weg vom Frankfurter Tor zur Gedenkstätte auf dem Friedhof in Berlin-Friedrichsfelde deutlich angewachsen und zählte zum Schluß mindestens 7000 bis 8000 Teilnehmer.

Die Organisatoren waren aufgrund des Schneechaos mit der Beteiligung, die etwas geringer ausfiel als im letzten Jahr, zufrieden. Das Tief »Daisy« hatte unter anderem den Autobahnverkehr in weiten Teilen Norddeutschlands lahmgelegt und Busse aus mehreren Städten an der Weiterfahrt nach Berlin gehindert.


Ab 10 Uhr versammelten sich Demonstrationsteilnehmer verschiedener linker Strömungen mit Fahnen und Transparenten am Frankfurter Tor. Gegen 10.30 Uhr setzte sich der Zug unter dem Motto »Nichts und niemand ist vergessen – auftstehen und widersetzen!« in Bewegung.

Inhaltliche Schwerpunkte waren der Kampf gegen die Abwälzung der Krisenfolgen auf die Lohnabhängigen und die deutsche Beteiligung am Krieg in Afghanistan, sowie die Solidarität mit dem afroamerikanischen Journalisten Mumia Abu Jamal, der seit 28 Jahren in den USA in der Todeszelle sitzt, und seinen Leidensgenossen in aller Welt. Redebeiträge antifaschistischer Gruppen richteten sich gegen die verschärfte Kriminalisierung linker Aktivisten in der BRD und gegen Stimmungsmache in den Medien, die darauf abziele, die Bündnisarbeit verschiedener Strömungen unmöglich zu machen.

Den Aufruf zur traditionellen »LL-Demo« hatten zahlreiche linke, antifaschistische und marxistische Gruppen und Parteien aus ganz Europa unterstützt. Neben der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), der Jugendorganisation SDAJ und zahlreichen Gliederungen der Linkspartei, des parteinahen Jugendverbands Linksjugend [’solid] und des Studierendenverbands Die Linke.SDS waren vor allem türkische und kurdische linke Gruppen gut sichtbar vertreten.

Auf Transparenten waren Parolen wie »Smash Capitalism!« und »Die Mauern des Kapitalismus einreißen!« zu lesen. Die Demonstration verlief bis zum Schluß friedlich. Weder Polizei noch Veranstalter meldeten Zwischenfälle. Erst am Friedhof sorgte die Polizei für Irritationen, als sie eine Fahne der DDR-Jugendorganisation FDJ beschlagnahmen wollte. Wegen ungeklärter Rechtslage wurde sie jedoch nur fotografiert. Das Bilddokument soll nun dem Landeskriminalamt zur Prüfung vorgelegt werden.

 

 
 

admin@vatandar.at

مدیر مسوول : دیپلوم انجنیرعمر محسن زاده

صاحب امتیاز : انجنیرنجیب یوسفی

کليه ی حقوق بر اساس قوانين کپی رايت  محفوظ و متعلق به «وطندار» می باشد