2009/12/9
Unterschiedliche Wahlprozesse in Lateinamerika
Zu den Wahlen in Honduras erklärt Helmut Scholz, MdEP und Mitglied des
Parteivorstandes:
Am
vergangenen Sonntag fanden in Lateinamerika parallel zwei Wahlen statt,
wie sie unterschiedlicher nicht hätten ausfallen können: Während in
Uruguay die Bevölkerung souverän und frei über ihr Präsidenten wählen
konnte und sich dabei klar für die Fortsetzung der erfolgreichen Politik
der Frente Amplio zugunsten einer demokratischen und sozial gerechteren
Gesellschaft entschied, waren die Wahlen in Honduras das ganze Gegenteil
von demokratisch.
30.000 Soldaten zur Absicherung des vom Putschisten-Regime beherrschten
Urnengangs und zahlreiche Verhaftungen am Wahltag selbst zeigen: das waren
keine freien und legitimen Wahlen.
Der internationale Protest dauert an – die Ergebnisse können nicht
anerkannt werden. Dennoch mehren sich in der deutschen Parteien- und
Presselandschaft Anzeichen möglichst schnell zur Tagesordnung überzugehen
und die Wahlen und ihre Ergebnisse "scheibchenweise" zu legitimieren.
Eine Wahlbeteiligung von 61 Prozent unter den Bedingungen einer
gesetzlichen Wahlpflicht und der massiven Drohungen der
Unternehmerverbände, am Montag die Finger ihrer Arbeiter und Angestellten
auf die bei der Wahl zur Markierung verwendete Tinte zu kontrollieren,
zeugen vom Widerstandswillen breiter Teile der Bevölkerung. Inzwischen
mehren sich Informationen aus Honduras, wonach die Wahlbeteiligung
tatsächlich viel geringer als ausgewiesen gewesen sei.
Die Weigerung des Parlamentes Präsident Zelaya nach der erfolgten Wahl und
bis zum geplanten Amtsantritt seines "Nachfolgers" am 27. Januar 2010
wieder in sein Amt einzusetzen, zeugt davon, dass es bei den Wahlen auch
nicht um einen Weg zurück zu demokratischen Verhältnissen sondern um ein
schein-demokratisches Mäntelchen für das gegenwärtig die Macht behauptende
Regime im Interesse internationaler Anerkennung ging.
DIE LINKE fordert die Bundesregierung und die EU-Institutionen auf:
Keine
Anerkennung der Wahlergebnisse durch Deutschland und die EU. Der legitime
Präsident von Honduras heißt Manuel Zelaya.
Von:
Helmut Scholz,
4. Dezember 2009
(WWW:die-linke.de)